Osteopathie - Geschichte und Verbreitung

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Während die klassische Schulmedizin jener Zeit geprägt war von reiner Symptombehandlung und zunehmender Spezialisierung entwickelte Dr. Andrew Taylor Still Mitte des 19. Jahrhunderts ein ganzheitliches Konzept zur Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen des Organismus, das er Osteopathie nennen sollte. 

Unzufrieden mit der gängigen Medizin seiner Zeit begab sich Dr. Still, der seine erste Frau sowie drei seiner Kinder durch Krankheit verloren hatte, auf die Suche nach einer alternativen Heilmethode und widmete sich dem Studium der Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers. Im Laufe seiner Tätigkeit als Arzt erkannte er, dass strukturelle Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates häufig zu einer verminderten Funktionsfähigkeit der inneren Organe führen - und umgekehrt. Ihn faszinierte die Erfahrung, dass sich funktionelle Störungen des Organismus über den Bewegungsapparat behandeln lassen. So beobachtet er beispielsweise, dass sich durch das Lösen einer Gelenkblockade nicht nur die lokalen Beschwerden, sondern vor allen Dingen auch Funktionsstörungen in anderen Teilen des Körpers positiv beeinflussen lassen. Ist der Ursprung der Beschwerden erst einmal festgestellt und korrigiert, entfalten sich die Selbstheilungskräfte des Menschen und das Körpergleichgewicht wird wieder hergestellt. 

Der Name Osteopathie (osteon = Knochen und pathos = Leiden) rührt also daher, dass sich Dr. Still zu Beginn seiner Forschungen auf strukturelle Beeinträchtigungen des Knochengerüstes als eigentliche Ursache für Leiden in ganz anderen Körperbereichen konzentrierte. 

Mit seiner osteopathischen Therapiemethode erreichte Still zum Teil so spektakuläre Heilerfolge, dass seine Patienten bald von weit her anreisten, um sich von ihm behandeln zu lassen. Dr. Still praktizierte in Kirksville im Bundesstaat Missouri - zunächst in einer kleinen Praxis, später in seiner eigenen Klinik. Hier gründete er auch im Jahre 1892 die erste amerikanische Schule für Osteopathie.

Als Still im Jahre 1917 im Alter von 89 Jahren starb, hatte die osteopathische Methode inzwischen zahlreiche Anhänger, die landesweit weitere osteopathische Praxen und Schulen gründeten. Es dauerte allerdings Jahrzehnte, bis die neue Heilmethode seitens des Staates anerkannt und in das medizinische Versorgungssystem integriert wurde (1967 bis 1973). Mittlerweile gibt es in den USA zahlreiche Universitäten, an denen Osteopathen ausgebildet werden. Die Ausbildung ist auch in Australien und Neuseeland anerkannt. In den meisten Bundesstaaten sind Osteopathen (D.O. für Doctor of Osteopathy) den Ärzten (M.D. für Medical Doctor) in ihren Befugnissen gleichgestellt.

Im Jahre 1917 gründete in England ein Schüler von Dr. Still, John Martin Littlejohn D. O. (1865 - 1947), mit der British School of Osteopathy die erste europäische Schule für Osteopathie. Seit 1994 ist die Osteopathie in England offiziell anerkannt. Die Ausbildung zum Diplom-Osteopathen (D.O.) gilt dort als vollständige Berufsausbildung und endet mit einem Universitätsabschluss. In vielen anderen Ländern Europas, insbesondere in Frankreich und Belgien, hat die Osteopathie mittlerweile einen festen Platz in der Medizin. Auch in Deutschland etabliert sich die Osteopathie zunehmend.